Kurz gesagt
- Eine freie Trauung ist eine persönliche Hochzeitszeremonie, die ein freier Trauredner hält, unabhängig von Kirche und Standesamt.
- Rechtlich verheiratet seid ihr in Deutschland nur durch das Standesamt. Die freie Trauung kommt zusätzlich dazu.
- Ort, Ablauf, Sprache und Rituale bestimmt ihr selbst. Deshalb wählen immer mehr Paare diese Form.
Eine freie Trauung ist eine Hochzeitszeremonie, die ihr ganz nach euren Vorstellungen gestaltet. Sie wird nicht von einem Standesbeamten oder Pfarrer gehalten, sondern von einem freien Trauredner. Im Mittelpunkt steht eure Geschichte: wie ihr euch kennengelernt habt, was euch ausmacht und was ihr euch versprecht.
Was eine freie Trauung nicht ist
Eine freie Trauung macht euch nicht rechtlich zu Eheleuten. In Deutschland wird eine Ehe nur geschlossen, wenn beide vor dem Standesbeamten erklären, die Ehe miteinander eingehen zu wollen (§ 1310 BGB). Die freie Trauung ist deshalb immer eine zusätzliche Feier. Die meisten Paare gehen vorher oder am selben Tag zum Standesamt und feiern danach frei. Wie sich beides kombinieren lässt, steht in unserem Ratgeber Standesamt und freie Trauung am selben Tag.
Was sie ausmacht
Freier Ort. Auf einer Wiese, im Garten der Eltern, am See, im Weinberg oder in einer Scheune. Ihr seid nicht an Amtsräume oder Kirchen gebunden. Prüft nur, ob die Location eine Zeremonie erlaubt, und plant für Regen vor.
Freie Zeit. Keine Öffnungszeiten des Standesamts, kein Zeitfenster von 20 Minuten. Viele freie Trauungen finden am späten Nachmittag statt, wenn das Licht am schönsten ist.
Persönliche Rede. Der Redner lernt euch vorher kennen und erzählt eure Geschichte. Das ist der größte Unterschied zur standesamtlichen Trauung, die oft kurz und förmlich ist.
Eigene Rituale. Ringtausch, Eheversprechen in eigenen Worten, eine Sandzeremonie, das Binden der Hände, ein Brief an die Zukunft. Ihr entscheidet, was zu euch passt. Familie und Freunde können Beiträge übernehmen.
Eure Sprache, eure Werte. Zweisprachige Trauungen, Paare mit unterschiedlichen Religionen oder ohne Religion: Eine freie Trauung kann all das verbinden.
Warum sie so beliebt geworden ist
Die Zahl der kirchlichen Trauungen hat sich in den letzten Jahren etwa halbiert. 2025 gab es noch 19.481 katholische Trauungen, 2019 waren es 38.537. Bei der evangelischen Kirche sank die Zahl von 45.508 im Jahr 2014 auf 23.731 im Jahr 2024. Gleichzeitig wollen viele Paare mehr als die nüchterne Zeremonie im Standesamt. Die freie Trauung füllt diese Lücke. Insgesamt wurden in Deutschland 2025 genau 348.813 Ehen geschlossen.
Wer hält eine freie Trauung?
Ein freier Trauredner, manchmal auch Hochzeitsredner genannt. Der Beruf ist nicht geschützt. Viele Redner haben eine Ausbildung oder ein IHK-Zertifikat, andere kommen aus Theater, Moderation oder Seelsorge. Wichtiger als ein Zertifikat ist, ob der Redner zu euch passt. Achtet auf Bewertungen, Videos und euer Bauchgefühl im ersten Gespräch.
Theoretisch kann auch ein Freund die Trauung halten. Das kann sehr schön sein, ist aber viel Arbeit und für Laien oft nervenaufreibend. Ein erfahrener Redner hält den Ablauf zusammen und weiß, was zu tun ist, wenn der Ring herunterfällt oder es zu regnen beginnt.
Was sie kostet
Ein freier Trauredner kostet meist zwischen 800 und 2.000 €. Was im Preis steckt, haben wir im Ratgeber Was kostet ein freier Trauredner? zusammengestellt.